Text vorlesen lassen
Wenn Gottes Wort im Alltag ankommt
Was geschieht, wenn Menschen Gottes Wort nicht nur in ihrer eigenen Sprache haben, son-
dern es auch entdecken, hören, singen und auf ihr Leben beziehen? Dann kann die Bibel
mitten im Alltag lebendig werden. Folgende Geschichte aus Afrika zeiget, warum Bibelübersetzung und „Bibel im Gebrauch“ zusammengehören.
„Ich bin nur eine Frau. Schon etwas älter. Schöne Kleider habe ich nicht. Auch meine Haare kann ich mir nicht jedes Mal kunstvoll flechten lassen – dafür fehlt mir das Geld. Ich trage alte Schlappen. Wann ich mir neue kaufen kann, weiß ich nicht. Gerade habe ich angefangen, ein kleines Haus zu bauen. Endlich möchte ich nicht mehr im Regen stehen, wenn es wieder durchs Dach tropft. Wenn ich mich anschaue – was soll an mir schon schön sein? Ich kann es nicht sehen.“
Andere schauen manchmal auf sie herab. Dabei schätzen sie ihre Hilfe, vertrauen ihr ihre Kinder an und hören auf ihren Rat. Und sie kann singen. Oh ja, sie kann singen!
Aber schön? Das sagt niemand.
Eine Botschaft verändert den Blick
Ich leite eine Frauengruppe in unserem Vorort von Isiro. Gestern lasen wir gemeinsam die Bibelstellen 1. Mose 1,27, Psalm 139,13–14 und Zefanja 3,17. Wir stellten uns die Frage, was diese Texte darüber sagen, wie Gott uns sieht?
Ich bin wunderbar geschaffen. Gott sieht mich, so wie er mich geschaffen hat, und sagt:
Ich liebe dich. In meinen Augen bist du schön.
„Sagt es einmal zu euch selbst“, bitte ich die Frauen: „Mein Gott sagt mir: Du bist schön.“ Und dann zur Nachbarin rechts und links: „Mein Gott sagt: Du bist schön.“
Die Frauen staunen. „Was? Wirklich? Ich? Dann kann ich ja laufen, ohne mich zu schämen!“
Eine Frau denkt weiter: „Dann können wir auch andere so ansehen – statt immer nur auf die Schwächen zu achten.“ Lachen breitet sich aus. „Oh, das ist ganz neu!“, sagt die Frau, die gut singen kann. „Ich will lernen, so zu denken.“
Eine weitere Frau kommt dazu. Ich bitte eine Teilnehmerin ihr zu erzählen, was die Frauen gerade entdeckt haben. Und schon wandert die Botschaft weiter:
Gott sagt: Du bist schön.
Bibel im Alltag
Die Mayogo – die Sprachgruppe, aus der die Frauen größtenteils kommen – haben bereits das Neue Testament in ihrer Sprache. Jetzt wird am Alten Testament gearbeitet.
Das ist wichtig. Denn um zu verstehen, wer Gott ist, wer wir in seinen Augen sind und wie er sich unser Leben miteinander gedacht hat, brauchen wir die ganze Geschichte der Bibel. Altes und Neues Testament gehören zusammen. Gerade Bücher wie 1. Mose und Ruth legen wichtige Grundlagen für Fragen nach Identität, Würde, Familie und Gemeinschaft.
Doch eine übersetzte Bibel allein verändert noch nicht automatisch das Leben. Genau wie die Mayogo-Frauen brauchen Menschen Möglichkeiten, Gottes Wort in ihrer eigenen Sprache zu entdecken und gemeinsam zu fragen: Was bedeutet das für uns – hier und heute?
Genau darum geht es bei Scripture Engagement – Mit der Bibel im Alltag neu leben: Menschen dabei zu begleiten, Gottes Wort tiefer zu verstehen und daraus neue, ganz praktische Wege für ihren Alltag zu entwickeln.
Diese Arbeit braucht Mitarbeiter und finanzielle Unterstützung – oft weit über die Fertigstellung einer Übersetzung hinaus. Wir sind dankbar für alle, die sich dafür einsetzen. Damit noch mehr Menschen – genau wie jene Frauen – verinnerlichen, was Gott über jeden Menschen sagt: Du bist schön.
Autorin
Bettina Gottschlich-Modibale und ihr Mann leben und arbeiten seit 1986 in der Demokratischen Republik Kongo in Afrika.