Pazifik Bibeluebersetzungsteam

Die richtigen Worte – Bibelübersetzung für den Gemeindekontext

Text vorlesen lassen

„Gib mir die richtigen Worte“. So lautet der Titel eines Buches von Neil Anderson. Er übersetzte 20 Jahre lang im Regenwald von Papua-Neuguinea die Bibel für das kleine Volk der Folopa. Ein ums andere Mal stand Anderson vor der Frage: Wie in aller Welt soll ich den Folopa diesen biblischen Begriff verständlich machen? Und immer wieder ließ Gott ihn auf Ausdrücke aus ihrer Lebenswelt stoßen, die selbst schwierige biblische Konzepte greifbar machten.

Diese Bitte geht auch mir häufig durch den Kopf: Gott, gib mir die richtigen Worte. Wenn ich der Übersetzerin, mit der ich als Übersetzungsberater zusammenarbeite, ein biblisches Konzept zu erklären versuche – dann sowieso. Aber auch, wenn ich einen Vortrag oder eine Predigt vorbereite. Wenn ich im biblischen Unterricht unserer Gemeinde mit den Teens zusammensitze. Oder schlicht, wenn sich beim Unterhalten mit einem Nachbarn plötzlich eine Gelegenheit auftut, über meinen Glauben zu sprechen.

Die Herausforderung ist immer dieselbe: Wie kann ich das, was ich aus der Bibel verstanden habe, für andere verständlich und relevant werden lassen? Im Folgenden möchte ich einige Prinzipien weitergeben, die mir dabei als Orientierung helfen.

Informieren Sie sich.

Vor Kurzem musste ich eine Fußnote zum Begriff „Taufe“ verfassen. Der Kontext war die Taufe des Johannes. Ich hatte mich zuvor noch nie intensiver mit dem jüdischen Hintergrund dieses Brauchs beschäftigt. Also las ich in einer Bibelsoftware einige Lexika-Einträge. Anschließend gab ich einer KI die wichtigsten Eckpunkte und ließ mir einen ersten Entwurf erstellen. Weil ich mich zuvor informiert hatte, konnte ich die Vorschläge prüfen und überarbeiten. Danach ließ ich den Text von der KI in die Landessprache übersetzen, die der Übersetzerin und mir als Zwischensprache dient. Fazit: Es gibt so viele gute Hilfsmittel, um fundierte Informationen zu biblischen Themen zu erhalten – darunter auch KI-Assistenten wie „Nikodemus“ von bibleserver.com. Nutzen wir sie!

Denken Sie sich in die Lebenswirklichkeit Ihres Gegenübers hinein.

Selbst beim Verfassen einer biblischen Fußnote muss ich mir die Frage stellen: Welches Wissen kann ich bei den Lesern voraussetzen? Da helfen mir Gespräche mit der Übersetzerin und anderen Angehörigen der Volksgruppe. Genauso wichtig ist es, mit den Menschen im Gespräch zu bleiben, denen wir Gottes Wort weitergeben möchten – innerhalb oder außerhalb des Gemeindekontexts. Was beschäftigt sie? Was bewegt oder belastet sie im Alltag? Wo lassen sich Brücken schlagen zur Botschaft der Bibel? Auf Englisch gibt es dafür den Ausdruck „scratch where it itches“ – kratze dort, wo es wirklich juckt.

C. H. Spurgeon war dafür bekannt, in seinen Predigten sehr verständliche und lebensnahe Illustrationen zu benutzen. Das lag daran, dass er sich ständig darin übte, in alltäglichen Dingen und Abläufen Bilder für biblische Wahrheiten zu entdecken. Dadurch konnte er später mit Leichtigkeit Vergleiche finden, die genau zur Lebenswirklichkeit seiner Zuhörer passten.

Die Emotionen sind mindestens so wichtig wie Fakten.

Unsere tief verwurzelten Vorstellungen von der Welt sind eng mit unseren Gefühlen verbunden. Deshalb bleiben uns oft nicht nur Informationen in Erinnerung, sondern vor allem Momente, die uns emotional berühren. Wenn ich mit der Übersetzerin und anderen Muttersprachlern einen Bibeltext bespreche, wirken die Gespräche besonders dort nach, wo wir das Gelesene auf unser eigenes Leben beziehen. Oder dort, wo wir gemeinsam Staunen, Dankbarkeit oder manchmal auch Empörung über den Text ausdrücken.

Vor kurzem hörte ich eine Predigt zum Thema Taufe. Sie war theologisch tiefgründig und hervorragend aufgebaut. Doch wäre es dabeigeblieben, hätte sich vermutlich zwei Wochen später kaum jemand daran erinnert (außer vielleicht ein Bibel-Nerd wie ich). Zum Ende hin stellte der Prediger jedoch ein paar einfache Fragen, die das Herz ansprachen: „Ist es nicht stark, dass Gott uns ein Zeichen gegeben hat, das unsere Errettung körperlich erlebbar macht?“ Anschließend erzählte er, wie er als Teenager zum Glauben kam und sich taufen ließ. Plötzlich waren die theologischen Inhalte mit Emotionen und persönlichen Erfahrungen verbunden. Genau das macht den Unterschied. Erst wenn eine Botschaft vom Kopf ins Herz rutscht, hinterlässt sie einen nachhaltigen Eindruck.

Beschränken Sie sich – weniger ist manchmal mehr.

Wir übersetzen die Bibel für ein Volk, das bisher kaum Berührungspunkte mit dem christlichen Glauben hatte. Unsere Leser und Hörer sind daher meist biblisch völlig unbewandert. Die Versuchung ist groß, in Fußnoten, Überschriften oder Einleitungen möglichst viel zu erklären. Am liebsten hätte ich in der Fußnote zur Taufe des Johannes auch noch erläutert, welche Bedeutung die Taufe später in der Kirche annahm, welche unterschiedlichen Formen der Taufe es gibt und wie alles zusammenhängt. Aber damit hätte ich die Leser an dieser Stelle überfordert.

Dasselbe gilt für Predigt, Unterricht und Gemeindearbeit. Wir sollten darauf achten, unsere Zuhörer nicht mit Informationen zu überladen. Oft ist es wirkungsvoller, mehrere Schlaglichter auf nur einen oder zwei zentrale Punkte zu richten, statt viele Themen gleichzeitig behandeln zu wollen.

Gebet: „Gib mir die richtigen Worte.“

Wir dürfen und sollen alles in unserer Macht Stehende tun, um die wichtigste Botschaft der Welt verständlich weiterzugeben. Doch letztlich sollte all unser Bemühen im Gebet verwurzelt sein.

Am Ende ist es Gottes Geschenk, dass die Worte, die ich wähle, die „richtigen“ sind für diese Menschen in diesem Moment.

Autor

David K. arbeitet in einem Bibelübersetzungsprojekt in Osteuropa.