Kirche in Japan

Nicht im Alleingang: Die Rolle der sendenden Gemeinden

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„Gehst du ganz allein nach Afrika?“. Diese Frage wurde mir häufig gestellt, bevor ich zum ersten Mal in den Tschad ausreiste. Meistens verbarg sich dahinter (auch) eine Frage nach meinem Familienstand, die ich gerne mit: „Nein, ich bin dort Teil eines Teams“ beantwortete.  

Doch nicht nur mein Team im Tschad sorgte dafür, dass ich nicht im Alleingang unterwegs war. Auch das „Team“ zuhause war entscheidend: Niemand, der für Wycliff ins Ausland geht, kann das ohne den Rückhalt einer sendenden Gemeinde tun.  

Von Anfang an war klar: Gottes Auftrag, Menschen in eine versöhnte Beziehung mit ihm einzuladen, richtet sich nicht nur an Einzelpersonen. Die ganze Gemeinde hat in diesem Auftrag ihren Platz. Im Neuen Testament wird deutlich, dass die Apostel auf vielfältige Art von Gemeinden unterstützt wurden.  

Seit der Zeit der ersten Christen hat sich viel verändert – Ländergrenzen, Fortbewegungsmittel, kirchliche Strukturen, … Doch die Rolle der Gemeinde bleibt zentral. Unsere Mitarbeiter sind zwar bei Wycliff angestellt, ausgesandt werden sie aber von ihren Gemeinden.  

Was ist eine sendende Gemeinde? 

In der Regel handelt es sich dabei um eine Gemeinde, zu der die jeweilige Person schon seit längerer Zeit gehört. Dort hat sie Erfahrungen in der Mitarbeit gesammelt und geistliches Wachstum erlebt.  

Gerade junge Menschen sind aufgrund ihrer Ausbildung oft über längere Zeit nicht mehr aktiv in ihrer ursprünglichen Gemeinde eingebunden und haben sich an ihrem Ausbildungsort ebenfalls in einer Gemeinde und in christlichen Gruppen engagiert. Es besteht auch die Möglichkeit, sich von zwei Gemeinden aussenden zu lassen.  

Dabei bedeutet „sendende Gemeinde“ nicht in erster Linie „spendende Gemeinde“. So unverzichtbar die finanzielle Unterstützung ist: Noch viel wichtiger ist es, dass die Gemeinde geistliche Verantwortung für einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterfamilie übernimmt und die Beziehung zu ihnen pflegt.

Wie wird eine Gemeinde zur sendenden Gemeinde? 

Der Weg zur dorthin kann unterschiedlich aussehen.  

Marie zum Beispiel interessiert sich für eine Mitarbeit bei Wycliff. Schon früh sucht sie den Kontakt zum Leitungsteam ihrer Gemeinde und bittet sie um Gebet und Rat für den Entscheidungsprozess. Auch ihre Kleingruppe ist von Anfang an informiert und nimmt Anteil an ihrem Weg. Wenn sich Maries Weg zu Wycliff bestätigt, entscheidet sich die Gemeinde bewusst dafür, sie auszusenden.  

Etwas anders verläuft es bei Max: Er ist schon lange mit Wycliff im Kontakt, bezieht seine Gemeinde aber erst während der Bewerbungsphase in seine Überlegungen mit ein. Er wollte sich erst selbst über die nächsten Schritte klar werden und hat durch sein Studium längere Zeit an einem anderen Ort gewohnt. In diesem Fall braucht die Gemeinde eventuell etwas mehr Zeit, um zu entscheiden, ob sie seinen Einsatz unterstützen und ihn aussenden. Wenn die Gemeinde noch keine Erfahrung damit hat, Mitglieder in einen interkulturellen Dienst zu entsenden, sind möglicherweise auch praktische Fragen zu klären. Dafür steht Wycliff der Gemeinde gerne zur Verfügung. 

Sara wiederum wird durch ihre Jugendleiterin auf Wycliff aufmerksam. Die Leitungsverantwortlichen in der Gemeinde sehen in Sara eine Begabung für die Arbeit im Ausland und ermutigen sie, diesen Weg einzuschlagen.  

Gemeinde Icon

Was heißt das praktisch? 

Wie sich eine Gemeinde als sendende Gemeinde beteiligt, hängt von ihren Erfahrungen und Möglichkeiten ab. Die folgende Übersicht nennt einige Beispiele, die gerne erweitert werden können.  

„Mindestanforderungen“ an eine sendende Gemeinde 

„Mindestanforderungen“ an eine sendende Gemeinde 

Dabei sind die Bedürfnisse je nach Lebenssituation unterschiedlich: Für Mitarbeiterfamilien kann es wichtig sein, die Kinder besonders zu ermutigen. Singles wiederum bewältigen vieles in ihrem Alltag allein – auch den wiederholten Wechsel zwischen den Lebenswelten in Deutschland und im Ausland. Ihnen tut es gut, ehrlich über die damit verbundenen Freuden und Herausforderungen sprechen zu können.  

Immer mehr unserer Mitglieder arbeiten heute nicht mehr langfristig im Ausland, sondern bringen sich von Deutschland aus ein. Die Rolle der sendenden Gemeinde entfällt dadurch nicht, sondern verändert sich: Schokoladenpäckchen werden vielleicht überflüssig, aber der Bedarf an finanzieller und geistlicher Unterstützung bleibt bestehen. Wer von zuhause aus in virtuellen Teams arbeitet, braucht die Gemeinschaft mit Menschen vor Ort oft sogar besonders. Hier kann die Gemeinde Anteil nehmen, ohne Ländergrenzen zu überqueren.  

Ob im Ausland oder von Deutschland aus: Gottes Auftrag an uns bleibt ein gemeinsamer Auftrag. Sendende Gemeinden machen sichtbar, dass niemand diesen Weg allein geht. 

Gerne beraten wir Sie und helfen Ihnen in Ihren Überlegungen, ob und in welchem Umfang Sie sendende Gemeinde werden könnten. 

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Autorin

Steffi Seibel war 10 Jahre im Tschad tätig und arbeitet in der Personalabteilung von Wycliff.