Text vorlesen lassen
„Lord, change my attitude before it’s too late“ –
Herr, verändere meine Einstellung, bevor es zu spät ist.“
James McDonald
Der Buchtitel auf dem Tisch sprang mir förmlich ins Auge. Meine erste Reaktion verriet dabei ironischerweise eine widerwillige Einstellung: „Gott, was willst du mir damit sagen? Gefällt dir meine Einstellung etwa nicht?“ Trotzdem schlug ich das Buch auf – und musste feststellen: In jedem Kapitel fühlte ich mich ertappt.
Wenn ich in die Bibel schaue, die Welt beobachte oder auf mein eigenes Leben blicke, fällt mir immer wieder auf: Unsere Herzenshaltung scheint für Gott problematischer zu sein als unsere Umstände oder Fähigkeiten. Doch worum drehen sich unsere Gebete und Sorgen meist? Woran zweifeln wir, wenn es um Gottes Plan und unseren Platz darin geht? Meist doch an unseren Umständen und Grenzen. Selten an unserer Einstellung.
Gladys Aylward wurde mehrmals gesagt, sie sei nicht „intelligent“ genug. Trotzdem reiste sie 1932 nach China, rettete über hundert Kinder vor der japanischen Armee und erzählte ganzen Dörfern auf Chinesisch von Jesus. Amy Carmichael galt als gesundheitlich ungeeignet für ihren Dienst. Dennoch schrieb sie noch vom Krankenbett aus Bücher, die bis heute Menschen ermutigen. Mir selbst wurde als Dreijährige prognostiziert, ich würde vielleicht nie richtig sprechen und sicher keine Fremdsprachen lernen können. Heute lerne ich meine siebte Sprache und erlebe auch bei meiner Arbeit im Ausland immer wieder, wie Gott mich gerade durch Sprache mit Menschen verbindet.
Doch nicht jeder wird ins Ausland gesandt. Was ist mit denen, die in ihrem Umfeld bleiben? Mit Gemeinden in Deutschland?
Jesus sagt: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Johannes 8,12) Und dasselbe sagt er über seine Nachfolger. Wir sind Licht – dort, wo Gott uns hingestellt hat. Aber endet unser Licht an Gemeinde- oder Stadtgrenzen? Wir reden hier doch von Jesus Christus, dem Sohn Gottes, der leuchtet – nicht von einer Taschenlampe, die mit menschlicher Kraft betrieben wird! Der Jesus, der in der Bibel wirkte und Menschen wie Gladys Aylward gebrauchte, ist derselbe heute, deshalb lasst uns nicht unterschätzen, wie weit er durch uns leuchten kann und will!
Mir ist schon des Öfteren der Gedanke gekommen: „Wenn Gott so mächtig ist, braucht er mich doch gar nicht.“ Das stimmt. Aber genau darin liegt die gute Nachricht: Gott braucht mich nicht – doch er will mich. Er will mich hineinnehmen in sein Handeln, möchte, dass ich ihn dabei besser kennenlerne, seinen Herzschlag teile.
Wenn Gott auf mich angewiesen wäre, wäre er arm dran – und ich auch. Aber ein Gott, der mich dabeihaben will, dem vertraue ich gern.
Darum: „Mach dich auf, werde Licht!“ (Jesaja 60,1)
Autorin
Maja Dieckmann arbeitete mehrere Jahre lang mit einer christlichen Organisation in Westafrika. Seit Mai 2026 ist sie Kandidatin bei Wycliff und möchte mit Gebärdensprachen im afrikanischen Kontext arbeiten.