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Meine ersten Schritte in Oradea und der rumänischen Gebärdensprache
Seit Kurzem lebe ich in Oradea, im Westen Rumäniens. Ein solcher Ortswechsel bringt viele Veränderungen mit sich – neue Wege, neue Abläufe, neue Sprachen.
Ankommen in der Gehörlosengemeinde
Ein wichtiger Teil meiner ersten Wochen war der Kontakt zur örtlichen Gehörlosengemeinde. Die Mitglieder haben mich offen aufgenommen und helfen mir geduldig dabei, mich zurechtzufinden. Meine Kenntnisse der rumänischen Gebärdensprache sind noch begrenzt. Einige Gebärden ähneln der Deutschen Gebärdensprache und haben dieselbe Bedeutung. Andere sehen ähnlich aus, bedeuten aber etwas völlig anderes – ein Phänomen, das aus vielen Sprachen bekannt ist. Ein vergleichbares Beispiel findet sich auch in der Lautsprache: Das rumänische Wort „da“ klingt wie das deutsche, bedeutet jedoch „ja“. Gerade wenn ich müde bin, bringe ich diese beiden „das“ leicht durcheinander.
Die grundlegende Kommunikation funktioniert inzwischen, doch sobald Gespräche komplexer werden, brauche ich Unterstützung.
Rumänisch: Lesen leichter als Hören
Geschriebene Texte auf Rumänisch kann ich meist verstehen. Viele Wörter erinnern mich an Spanisch oder Französisch. Gesprochenes Rumänisch zu verstehen, gelingt dagegen noch nicht zuverlässig. Auch selbst zu sprechen, fällt mir schwer. Das Sprachenlernen – in Laut- und Gebärdensprache – ist deshalb derzeit ein wichtiger Schwerpunkt für mich.
Warum ich nicht übersetze – und wer es stattdessen tut
Oft werde ich gefragt, ob ich an der Bibelübersetzung in die rumänische Gebärdensprache beteiligt bin. Das ist nicht der Fall – und das hat gute Gründe. Das Projekt liegt in den Händen eines hochqualifizierten Teams tauber Muttersprachler, die sprachlich wie kulturell präzise arbeiten. Ihre Ergebnisse sind online abrufbar:
Inzwischen habe ich zwei der Übersetzer persönlich kennengelernt und bekomme einen unmittelbaren Eindruck davon, wie sich das Projekt weiterentwickelt.
Suchen, beobachten, verstehen – mein Auftrag fürs Erste
Meine Aufgabe sieht derzeit anders aus: Ich lerne. Das Global Sign Languages Team, zu dem ich nun gehöre, ist groß, international und vielfältig. Ich möchte verstehen, wie es aufgebaut ist, welche Rollen es gibt und wo ich mich langfristig sinnvoll einbringen kann. Noch stehe ich am Anfang. Aber die Richtung stimmt.
Autorin
Andrea H. ist seit 5 Jahren Mitglied bei Wycliff Deutschland und ist im Herbst 2025 nach Rumänien gezogen.Â
Oradea