Thailand Landschaftsszene

Zwischen Bergen, Reisfeldern und Bibelgeschichten

Foto ganz oben: Die östlichen Lawa* leben eingebettet in den Bergen südwestlich von Chiang Mai, wo sie hauptsächlich als Bauern tätig sind. Ihre Sprache gehört zur mon-khmerischen Sprachfamilie und unterscheidet sichvon der Sprache der westlichen Lawa.

*Lawa wird [lə-WAH] ausgesprochen.

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Die Bibel für die Östlichen Lawa

Die Lawa gehören zu den ältesten Volksgruppen Nordthailands. Man unterscheidet zwischen den Westlichen und den Östlichen Lawa. Die Östlichen Lawa leben in den Bergen südwestlich von Chiang Mai, wo viele Familien vom Reisanbau und der Landwirtschaft leben. Ihre Sprache gehört zur Mon-Khmer-Sprachfamilie und unterscheidet sich deutlich von der Sprache der Westlichen Lawa.

Überdachte Terrassen gehören zum Alltag vieler Familien. Sie bieten Schutz vor Regen und Kälte, sind Treffpunkt für Jung und Alt und zugleich ein wichtiger Arbeitsplatz. Unter den Dächern wird gekocht, gearbeitet, erzählt und gelacht. Kleine Feuerstellen wärmen die Menschen, während Vorräte und Werkzeuge trocken gelagert werden können.

Über dem offenen Feuer rösten Frauen Teh in großen Töpfen und weichen dabei geschickt den aufsteigenden Rauchschwaden aus. Durch das ständige Umrühren werden die Samen gleichmäßig geröstet. Teh sind kleine, eichelähnliche Samen mit dünner Schale. Mit einem kurzen Biss lässt sich die Schale öffnen. Der helle Kern schmeckt mild, erinnert an rohe Erdnüsse und ist eine wertvolle Nahrungsquelle. 

Wenn die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet, verbringen die Enkelkinder ihre Abende oft draußen – beim Spielen, Erzählen und Zusammensitzen mit der Familie.

Im September 2022 begann Rosie, Frauen der Östlichen Lawa das Nähen beizubringen. Während Stoffe zugeschnitten und erste Nähte gesetzt wurden, entstanden ganz nebenbei Gespräche über den Glauben und Geschichten aus der Bibel.

Naeherinnen Thailand

Heute nähen die Frauen Taschen, Hüte und Decken. Die neuen Fähigkeiten schenken ihnen nicht nur Freude und Selbstvertrauen, sondern eröffnen auch eine zusätzliche Einkommensquelle – besonders in den ruhigeren Monaten zwischen den arbeitsreichen Zeiten auf den Reisfeldern.

Die Freude war groß, als 2023 die ersten zehn Bestellungen für traditionelle Kleidung eingingen. Doch nur ein Jahr später staunten die Frauen nicht schlecht: Die örtliche Schule bestellte 76 Trachten für ihre Schülerinnen und Schüler, die jeden Freitag ihre traditionelle Kleidung tragen dürfen.

Zu Festen und besonderen Anlässen tragen Frauen der Östlichen Lawa farbenfrohe Perlenketten über schlichten Oberteilen und dazu handgewebte Röcke mit typischen Lawa-Mustern. Stolz probiert auch die kleine Tuun, die Enkelin der Übersetzer, ihren neuen Lawa-Rock an.

Frauen mit Perlenketten

Die Näherinnen leisten inzwischen einen wichtigen Beitrag dazu, die kulturelle Identität ihrer Gemeinschaft lebendig zu halten. Ihr Selbstvertrauen ist gewachsen, und selbst wenn Rosie nicht vor Ort sein kann, arbeiten sie motiviert weiter.

Mittlerweile wagen sie sich an neue Herausforderungen: Mit viel Kreativität besticken sie Taschen und Jacken mit Blumen, Reisähren und Szenen aus ihrem Alltag. Obwohl die Frauen selbst keine Christinnen sind, hören sie weiterhin offen und interessiert die Geschichten aus der Bibel.

Das Bibelübersetzungsteam der Östlichen Lawa – Rungsin, Jum und Tawan – arbeitet täglich gemeinsam mit Greg an der Übersetzung der Bibel in ihre Muttersprache.

Greg und Uebersetzerteam

Foto: Eastern Lawa translators (left to right) Rungsin, Jum and Tawan work with Greg every day.

Jum und Tawan verbrachten durch schwierige Lebensumstände einen Teil ihrer Jugend im Gefängnis. Dort lernten sie Jesus kennen und fanden zum christlichen Glauben. Obwohl die Gemeinschaft der Östlichen Lawa überwiegend buddhistisch geprägt ist, begegnen viele Menschen den wenigen christlichen Lawa heute deutlich offener als noch vor einigen Jahren.

2023 zog außerdem ein Ehepaar aus Korea in das Gebiet der Östlichen Lawa, um Greg und Rosie zu unterstützen. Ihr Schwerpunkt liegt im Bereich Bibelgebrauch: Sie helfen den Menschen dabei, die übersetzten Bibeltexte zu verstehen und im Alltag anzuwenden.

Im Jahr 2022 besuchte das Team zur Weihnachtszeit ein neues Dorf. Tawan erzählte dort Geschichten über Jesus und sprach von dem neuen Leben, das Jesus schenken möchte. Gemeinsam mit Liedern, kleinen Theaterstücken, Schulaufführungen und der Vergabe eines Bildungsstipendiums wurde daraus ein fröhliches Fest für die ganze Dorfgemeinschaft.

Schulauffuehrung Weihnachten Kinder Thailand

Nach einem weiteren Weihnachtsprogramm im nächten Jahr und einem Nähtag, den Rosie zuvor für zehn Frauen angeboten hatte, fragte das Team, ob jemand Interesse hätte, sonntagmorgens Geschichten aus der Bibel zu hören.

30 Menschen kamen – darunter mehr als 20 Kinder. Doch sie wollten nicht nur einmal zuhören. Sie baten darum, dass die Treffen weitergehen. Seitdem versammeln sie sich Woche für Woche, hören gemeinsam Bibelgeschichten, singen Lieder, lernen Bibelverse und üben nebenbei etwas Englisch.

13 Jahre lang lebten Greg und Rosie gemeinsam mit ihren Kindern unter den Östlichen Lawa. Sie nahmen sich Zeit zuzuhören, Beziehungen aufzubauen und die Kultur der Menschen wertzuschätzen und zu stärken.

Ob beim Nähen, im Alphabetisierungsunterricht an zwei Schulen oder bei kulturellen Festen – immer wieder entstanden und entstehen neue Begegnungen und Gelegenheiten, Gottes Wort weiterzugeben. Auch wenn es bisher nur wenige Christen unter den Östlichen Lawa gibt, dient das Team den Menschen treu weiter und vertraut darauf, dass Gott Herzen verändert und neues Leben schenkt.

Update aus Thailand

Das Übersetzungsteam hat vor Kurzem die Entwürfe für die Bücher Jakobus sowie 1. und 2. Petrus abgeschlossen.

Greg und Rosie leben inzwischen wieder in Neuseeland, reisen aber weiterhin regelmäßig nach Thailand, um das Projekt zu begleiten. Sobald neue Bücher bereit für die fachliche Prüfung sind und Berater zur Verfügung stehen, unterstützen sie die nächsten Schritte vor Ort. Bereits im Juli ist die nächste Reise geplant – dann sollen der Jakobusbrief und möglicherweise auch der 1. Petrusbrief geprüft werden.

Veröffentlicht wurden inzwischen bereits das Markusevangelium sowie das Buch Ruth.

Autorin

Felise Alaichamy ist stellvertretende Direktorin im Bereich „Gemeinde“ für unsere Partnerorganisation SIL. Seit über 30 Jahren arbeitet sie bereits für SIL, war in Indien und Indonesien tätig und lebt mit ihrem Mann in Kalifornien. Zudem ist sie professionelle Fotografin.

Durch Anklicken der Fotos öffnet sich die Galerie mit Erklärungen zu den Fotos.