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Eine Zugfahrt in Bangkok – und ein Wort, das mich seitdem nicht loslässt.
Ich begann zu rennen, obwohl ich eigentlich wusste, dass ich zu spät war. Sobald sich die Türen des Skytrains schließen, gehen sie normalerweise erst an der nächsten Station wieder auf.
Doch genau in dem Moment, als ich den Zug erreichte, stoppten die Türen plötzlich – und öffneten sich noch einmal. Gerade rechtzeitig sprang ich hinein. Im Augenwinkel sah ich den Zugführer. Vermutlich hatte er gesehen, wie ich die Treppe heraufgerannt kam, meinen Sprint bemerkt und beschlossen, auf mich zu warten.
Bis dahin hatte ich immer gedacht, die Türen würden automatisch schließen und niemand könne daran etwas ändern. Und nun stand ich mitten in einer riesigen Stadt in Asien und erlebte, wie mir jemand ganz bewusst Freundlichkeit entgegenbrachte – ausgerechnet jemand, der eigentlich dafür sorgen muss, dass die Züge pünktlich fahren.
An meiner Station angekommen, lief ich schnell nach vorne und bedankte mich mit einem respektvollen „Wai“, der traditionellen thailändischen Begrüßung. Hinter der Glasscheibe lächelte der Zugführer freundlich und erwiderte meinen Gruß.
Warum hatte er die Türen noch einmal geöffnet? In Thailand gibt es dafür ein besonderes Wort: Namjai.
Namjai beschreibt eine Haltung von Freundlichkeit, Großzügigkeit und Hilfsbereitschaft. Es bedeutet, auf andere zu achten und sich die Mühe zu machen, ihnen zu helfen.
Wörtlich übersetzt heißt Namjai: „ein Herz aus Wasser“.
Als ich das zum ersten Mal hörte, fand ich den Ausdruck etwas ungewöhnlich. Doch in Thailand steht Wasser für Leben. Kanäle durchziehen das Land und versorgen die Reisfelder. Das fröhliche Neujahrsfest Songkran feiert die Rückkehr des Regens. Viele thailändische Wörter zeigen, wie wichtig Wasser im Alltag ist.
Wer Namjai hat, dessen Herz schenkt anderen Menschen Leben und Erfrischung. So wie Wasser sich jeder Form anpasst, ist ein solches Herz bereit, sich den Bedürfnissen anderer zuzuwenden.
Mich erinnert das an die Worte Jesu zur Frau am Brunnen:
Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, den wird niemals mehr dürsten. Das Wasser, das ich ihm gebe, wird in ihm zu einer Quelle werden, die bis ins ewige Leben fließt.
Namjai – ein wunderschönes Wort.
Autorin
Bekah Farber. Bekah und ihr Mann arbeiten mit OMF in Bangkok, Thailand. Der Text ist aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung von OMF Thailand.