Drei Tipps
Ob du langfristig in einem anderen Land lebst oder nur deine Nachbarn auf der Straße ansprichst – Menschen aus anderen Kulturen kennenlernen, kannst du überall. Am Anfang fühlt es sich oft wie ein Abenteuer an: neue Speisen probieren, spannende Geschichten hören, unbekannte Bräuche entdecken. Doch je tiefer Beziehungen werden, desto größer können auch die Herausforderungen sein. Plötzlich stößt man auf Gewohnheiten, die ganz anders sind als das, was man von zu Hause kennt.
Samantha Deck kennt diese Erfahrung gut. Seit 18 Jahren arbeitet sie mit Wycliff, hat in Südasien, Osteuropa und den USA gelebt und gibt heute Kurse zu kultureller Intelligenz und multikultureller Teamarbeit. Sie teilt drei Prinzipien, die helfen, interkulturelle Situationen mit Freude und Respekt zu meistern.
1. Kulturelle Erwartungen verstehen
Bevor du eine fremde Kultur kennenlernst, lohnt sich ein Blick nach innen: Welche Werte und Gewohnheiten prägen meine eigene Kultur?
„Es ist wichtig, zu verstehen, wie man in einem anderen Umfeld wahrgenommen werden könnte“, erklärt Samantha. Historische Erfahrungen, politische Meinungen oder geografische Gegebenheiten beeinflussen, wie Menschen uns und unsere Lebens- und Denkweise sehen.
Hilfreich ist es, Texte zu lesen, in denen Ausländer die eigene Kultur beschreiben – so wird oft deutlich, was irritierend oder schwer verständlich wirken kann. Auch im Team kann es Überraschungen geben – selbst unter Menschen aus demselben Land. Verschiedene Arbeitsstile oder unterschiedliche Erwartungen kosten Zeit und Energie. Doch genau diese Lern- und Versöhnungsprozesse sind wertvolle Chancen als Team zu wachsen.
2. Kulturelle Hintergründe verstehen
Jede Kultur hat ihre eigene „Brille“, durch die sie die Welt sieht. Zeit, Gerechtigkeit, Beziehungen, Gemeinschaft oder Besitz – all das wird sehr unterschiedlich bewertet.
Manche Kulturen bereiten sich intensiv auf Krisen vor, andere reagieren erst, wenn die Not da ist. Dahinter stehen oft praktische Gründe: wirtschaftliche Möglichkeiten, klimatische Bedingungen oder Geschichte. Wer diese Denkweisen versteht, kann gelassener reagieren, wenn Dinge ungewohnt oder unverständlich erscheinen.
„Unsere eigenen Stärken funktionieren nicht automatisch überall“, sagt Samantha. „Wenn wir von den Menschen vor Ort lernen, fällt es uns leichter, nicht nur durchzuhalten, sondern wirklich aufzublühen.“
3. Demütig bleiben im Konflikt
In den USA löst man Konflikte meist direkt durch ein Gespräch und eine Entschuldigung. In anderen Kulturen geschieht das eher indirekt, durch Gesten oder symbolische Handlungen. Wer das weiß, kann Verletzungen vermeiden und Brücken bauen.
„Versöhnung ist an sich schon etwas Gegenkulturelles“, betont Samantha. „Gerade wenn wir als Team Gottes Liebe nach außen strahlen wollen, müssen wir lernen, Schwierigkeiten zu akzeptieren, statt uns voneinander zu entfremden.“
Die unbequemen Momente sind oft die, in denen wir am meisten wachsen – im Verständnis für andere und auch im Glauben. Jede Kultur spiegelt etwas von Gottes Wesen wider.
Du sprichst, bevor du etwas sagst
Wer die Bibel übersetzt, muss kulturelle Unterschiede ernst nehmen. „Werte wie Respekt oder Ehre prägen, wie Menschen die Worte der Bibel verstehen“, erklärt Samantha.
Ein Übersetzungsberater erzählte ihr von Offenbarung 3,20: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an …“. In einer Sprachgruppe hätte das für Verwirrung gesorgt – dort klopfen nur Diebe an Türen; Freunde rufen oder pfeifen. Solche kulturellen Einblicke helfen, Gottes Wort klar, verständlich und ohne Missverständnisse weiterzugeben.
Bevor Menschen eine Bibel in ihrer Sprache lesen, begegnen sie den ausländischen Mitarbeitern, die sie bei den Übersetzungsarbeiten unterstützen. Umso wichtiger ist es, andere Kulturen zu achten und mit Liebe auf sie zuzugehen. So wird Christus schon sichtbar – noch bevor ein einziges Wort gelesen ist.
Auch wenn du nicht im Ausland arbeitest, kann diese Erkenntnis dir helfen: Noch bevor ein Mensch etwas über deine Kultur weiß, begegnet er dir. Mach dir bewusst, was du anderen durch dein Handeln und Reden mitteilen möchtest.