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Es ist Freitagnachmittag in einem Dorf der Krachi in Ghana. Männer und Frauen, Junge und Alte haben sich um einen Audioplayer versammelt. Für Außenstehende mag das unspektakulär wirken – doch wer die Krachi kennt, weiß: Diese Szene ist alles andere als gewöhnlich.
Die Krachi sind Kleinbauern. Ihr Alltag ist geprägt von harter Feldarbeit, die kaum Pausen zulässt. Tage ohne Arbeit sind selten – meist nur der Sonntag für Christen oder ein wöchentlicher Tabu-Tag, an dem traditionell nicht gearbeitet werden darf.
Doch dieser Freitag ist weder ein Sonntag noch ein Tabu-Tag. Und trotzdem haben die Menschen ihre Felder verlassen. Der Grund: Sie wollen etwas hören, das ihnen wichtiger geworden ist als die Arbeit – Gottes Wort.
Eine vertraute Stimme
Aus dem Audioplayer erklingt das Markusevangelium – als Aufnahme in der Krachi-Sprache. Die Audioversion wurde erst kurz vorher fertiggestellt und in den Dörfern verteilt. Die Menschen hören aufmerksam zu. Und dann geschieht etwas, das viele besonders bewegt: Die Stimme, die sie hören, ist ihnen vertraut. Kein Fremder spricht zu ihnen. Es ist einer aus ihrer Mitte.
Jemand aus ihrer eigenen Gemeinschaft hat das Markusevangelium eingesprochen. Gottes Wort klingt plötzlich nicht mehr fern oder fremd – sondern nah, lebendig und persönlich.
„Es ist kein Hindernis mehr“
Unter den Zuhörern ist auch ein älterer Mann aus dem Dorf. Für ihn – und viele andere – hat die Aufnahme alles verändert. „Ich habe nie eine richtige Schule besucht“, erzählt er. „Aber ich kann Gottes Wort in meiner eigenen Sprache anhören. Dass ich nicht lesen kann, ist kein Hindernis mehr für meine Errettung.“
Viele Krachi konnten lange Zeit weder lesen noch schreiben – nicht einmal ihre eigene Sprache. Denn ein Schriftsystem für Krachi gab es früher nicht.
Ein neuer Zugang zur Bibel
Das änderte sich, als ein Team einer lokalen Partnerorganisation von Wycliff begann, die Entwicklung eines Alphabets für die Krachi-Sprache zu unterstützen.
Seitdem kam einiges in Bewegung: Während erste Leseklassen angeboten wurden, arbeitete ein Team an der Übersetzung des Neuen Testaments und produzierte weitere Audioversionen biblischer Texte.
Ein großer Meilenstein wurde 2022 erreicht: Das Neue Testament wurde den Krachi in ihrer eigenen Sprache überreicht.
Gottes Wort erreicht die Menschen
Was an diesem Freitagnachmittag geschieht, macht deutlich: Gottes Wort findet Wege – auch dort, wo Lesen (noch) nicht möglich ist.
Quelle
Aus dem Wycliff-Archiv.