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Überleg mal, was Glück für dich ist?
Für mich ist es ein Sonnenaufgang, ein fertiggestelltes biblisches Buch, ein Essen mit Freunden oder – nach viel Arbeit – der Abschluss eines Projektes. Es gibt also glückliche Momente. Und es gibt die Frage, was es bedeutet, im Leben glücklich zu sein.
Aber kennt die Bibel diese glücklichen Momente – und die Vorstellung von einem glücklichen Leben? Jein! Und gerade das ist spannend.
Im Alten Testament gibt es das hebräische Wort aschrei, im Neuen Testament das griechische Wort makarios. In älteren deutschen Bibelübersetzungen werden diese Wörter mit „selig“ oder „glückselig“ übersetzt, in neueren auch mit „glücklich“.
An zwei Beispielen möchte ich zeigen, was wir über Glück und Glücklichsein in der Bibel lernen können.
Wie ein Baum am Wasser
Psalm 1 beginnt in der Guten Nachricht:
„Wie glücklich ist ein Mensch, der sich nicht verführen lässt von denen, die Gottes Gebote missachten, der nicht dem Beispiel gewissenloser Sünder folgt und nicht zusammensitzt mit Leuten, denen nichts heilig ist. Wie glücklich ist ein Mensch, der Freude findet an den Weisungen des Herrn, der Tag und Nacht in seinem Gesetz liest und darüber nachdenkt. Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Bächen voll Wasser, der zur rechten Zeit seine Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Alles, was er tut, es wird ihm gelingen.“ (1)
Glück hat also auch etwas mit den Menschen zu tun, mit denen wir uns umgeben. Wer oder was prägt uns? Und teilen die Menschen um uns herum das, was uns wichtig ist?
Der Psalm beschreibt einen glücklichen Menschen als einen Baum, der am Wasser gepflanzt ist. In uns kann etwas wachsen und Frucht bringen. Die Bibel spricht an anderer Stelle von der „Frucht des Geistes“ – und dazu gehört Freude. Auch sie hat etwas mit Glück zu tun.
Glücklich – auch wenn es schwierig ist?
In Matthäus 5,3 heißt es in der Übersetzung Neues Leben:
„Glücklich sind die, die erkennen, dass sie Gott brauchen, denn ihnen wird das Himmelreich geschenkt.“ (2)
„Glücklich sind die …“ – so beginnen in dieser Übersetzung alle Seligpreisungen Jesu.
Dabei geht es auch um unangenehme, schwierige, ja sogar gefährliche Situationen. Situationen, die wir normalerweise nicht „glücklich“ nennen würden. Vielleicht würden wir eher sagen: „Ich bin trotzdem zufrieden“, „Es geht weiter“ oder „Ich komme da durch“.
Es ist also eine andere, langfristigere Form von Glück: ein Glück, das daraus entsteht, sich von Gott getragen zu wissen.
Wo kann Glück wachsen?
Diese beiden Bibelstellen zeigen, wie unser persönliches Glück in eine größere Wirklichkeit eingebettet sein kann – in das, was die Bibel Gottes Segen nennt. In diesem Segen kann Glück wachsen und sich ausdrücken.
Vielleicht liegen die alten Übersetzungen deshalb gar nicht so falsch, wenn sie aschrei und makarios mit „selig“ oder „glückselig“ übersetzen. Vielleicht verlieren wir etwas von der Tiefe, wenn wir uns nur auf das Glück selbst konzentrieren, statt auf die Bedingungen, unter denen es wachsen kann. Aus biblischer Sicht gehört dazu, den Geber dieses Glücks nicht aus den Augen zu verlieren.
So wird aus dem „Jein“ am Anfang schließlich doch ein „Ja“.
Mein Vorschlag: Psalm 1 und Matthäus 5 einmal mit diesem Gedanken zu lesen:
„Gesegnet mit der Chance zum Glücklichsein bist du …“
Quelle
Unsere Mitarbeiterin arbeitet als Übersetzungsberaterin in Ländern, in denen die Religionsfreiheit eingeschränkt ist. Dort begleitet sie verschiedene Teams. Für viele von ihnen ist die Frage nach „Glück“ deshalb keine abstrakte oder philosophische Frage, sondern eng mit ihrer alltäglichen Lebensrealität verbunden.