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Tausende Menschen feiern die erste vollständige Bibel in ihrer Sprache
Musik liegt in der Luft. Trommeln erklingen, traditionelle Harfen spielen, Menschen tanzen in farbenfroher Kleidung über den staubigen Festplatz. Rund 5.000 Menschen sind Ende 2025 nach Koupor inden Süden des Tschads gekommen, um ein historisches Ereignis zu feiern: Zum ersten Mal gibt es die vollständige Bibel in der Sprache der Kera.
Doch bis zu diesem Tag war es ein langer und schwieriger Weg.
Fünf Monate Warten im Hafen
Im Februar 2025 erreichte eine Schiffsladung aus China den Hafen von Douala in Kamerun. Darin befanden sich die lange erwarteten Kera-Bibeln. Doch plötzlich ging nichts mehr weiter. Die Bücher blieben im Hafen feststecken – Woche für Woche, Monat für Monat.
Die Sorge in der Kera-Gemeinschaft wuchs. Denn wenn die Bibeln nicht rechtzeitig vor Beginn der starken Regenzeit ankamen, würden Straßen unpassierbar werden und die geplante Feier müsste erneut verschoben werden.
Daraufhin rief das örtliche Kera-Komitee zu einem Tag des Gebets und Fastens auf. Die Nachricht verbreitete sich schnell – nicht nur im Tschad und in Kamerun, sondern auch weltweit.
„Tausende Menschen haben an diesem Tag gemeinsam gebetet“, erzählt Jackie Hainaut aus Kanada, die als Übersetzungsberaterin das Übersetzungsprojekt begleitet, die Sprache spricht und selbst jahrelang unter den Kera gelebt hat.
Nur zwei Tage später kam die überraschende Nachricht: Die Lieferung war freigegeben worden.
Eine Reise über 2.200 Kilometer
Von Kamerun aus wurden die Bibeln über mehr als 1.800 Kilometer bis in die Hauptstadt des Tschad transportiert. Für die letzten 400 Kilometer nach Koupor stellte ein Geschäftsmann aus der Kera-Gemeinschaft einen großen Lastwagen zur Verfügung.
Endlich konnte das Datum für die Übergabefeier festgelegt werden. Sofort begann eine intensive Vorbereitungszeit. Unterkünfte mussten organisiert, Essen vorbereitet und die Feier geplant werden.
„Es war beeindruckend zu sehen, wie die Menschen zusammengearbeitet haben“, sagt Jackie. „Tausende Kera kamen aus verschiedenen Regionen des Tschad und aus dem Nachbarland Kamerun.“
Mehr als 40 Jahre Übersetzungsarbeit
Die Arbeit an der Kera-Bibel begann bereits 1982 mit der Übersetzung des Neuen Testaments. Dieses konnte 2006 veröffentlicht werden. Seit 2008 wurde auch am Alten Testament gearbeitet.
Die vollständige Bibel in Kera ist die erste Bibelübersetzung, die von SIL Tschad von Anfang bis Ende begleitet wurde. Gemeinsam mit der Kera-Gemeinschaft waren auch die Bibelgesellschaft des Tschad, Wycliffe Schweiz, Wycliff Deutschland und weitere Partner beteiligt.
Die Zahl der Kera-Sprecher lässt sich schwer genau bestimmen. Sprachforscher gehen von etwa 44.000 bis 50.000 Menschen aus, manche vermuten sogar deutlich mehr.
Ein Fest voller Freude und Dankbarkeit
Die Feier in Koupor dauerte viele Stunden. Es wurde gesungen, getanzt, gegessen und gemeinsam gefeiert. Immer wieder brach begeisterter Jubel auf, besonders als Jackie einige Worte in fließendem Kera sprach.
In ihrer Rede dankte sie vor allem der Kera-Gemeinschaft selbst. Viele Menschen hatten über Jahre hinweg Geld, Zeit und Kraft investiert, damit dieses Projekt möglich wurde.
Heute besitzen nur etwas mehr als zehn Prozent der rund 7.400 Sprachen weltweit eine vollständige Bibel. Für die Kera ist dieser Tag deshalb ein Meilenstein – nicht nur sprachlich, sondern auch kulturell.
Ein Mitarbeiter, der Spuren hinterlässt
Besonders gedacht wurde an Pamna Alexis, der sich mehr als 30 Jahre lang für sein eigenes Volk eingesetzt hatte. Er leitete die Alphabetisierungsarbeit und half vielen Menschen dabei, lesen und schreiben zu lernen.
(Während der Recherche für diesen Beitrag, erfuhr Jackie, dass Pamna nur wenige Wochen nach der Bibelübergabe verstorben ist. Sein Wirken setzt dich fort – in den Menschen, die nun zum ersten Mal die Bibel in ihrer eigenen Sprache lesen können.)
Die Arbeit geht weiter
Auch nach der Veröffentlichung der Bibel endet die Arbeit nicht. Das Team entwickelt derzeit weitere Materialien in Kera, darunter ein Wörterbuch und Angebote, die Menschen beim Lesen und Verstehen der Texte unterstützen sollen.
Für die Menschen in Koupor bleibt der Tag der Übergabefeier unvergesslich: ein Fest voller Hoffnung, Zusammenhalt und großer Freude.
Autor
Ken Grindall. Aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung von unserem Partner SIL Africa.