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Umar* hat sein Land verlassen – die Liebe zu seinem Volk ist geblieben. Aus dem Exil postet er täglich Bibelverse in seiner Muttersprache. Was als kleiner Instagram-Kanal begann, löst Wut, Fragen – und Glauben aus.
Eine brennende Frage
Wie kann ich ihnen von Jesus erzählen?
Diese Frage lässt Umar seit Jahren nicht los. In einem abgeschotteten Land in Westasien gehört er zu einer winzigen Minderheit: Unter zwei Millionen Menschen seiner Volksgruppe gibt es nur eine Handvoll Jesus-Nachfolger.
Der Mann, der ihm damals zum ersten Mal von Jesus erzählt hatte, bezahlte seinen Glauben mit dem Leben. Auch Umar geriet ins Visier: Drohungen, Hausdurchsuchungen, ständige Überwachung. Schließlich blieb nur die Flucht. Mit seiner Frau und den Kindern schaffte er es in ein westliches Land. Heute lebt die Familie dort.
Übersetzen, posten, hoffen
Trotz allem hat Umar seine Leidenschaft nicht verloren: Er möchte sein Volk erreichen. Diese Leidenschaft führte ihn in ein Übersetzungsprojekt, welches das Neue Testament erstmals seiner Muttersprache verständlich machte. Doch die zentrale Herausforderung blieb: Wie teilt man diese Botschaft, wenn selbst der Besitz christlicher Literatur im Heimatland gefährlich ist?
Umar findet eine Antwort: Social Media. Er eröffnet einen Instagram-Kanal in seiner Sprache – schlicht und mutig nennt er ihn „Die Wahrheit“. Täglich veröffentlicht er Bibelverse, kurze Videos und Gedanken. Schon bald zeigt sich, wie sehr der Kanal stört: Kommentare kippen in Beschimpfungen, manche in offene Todesdrohungen. „Ich finde dich und töte dich!“ – nur eine von vielen Nachrichten.
Freundlich bleiben, wenn es laut wird
Umar lässt sich nicht auf das Niveau der Angreifer herab. Er antwortet höflich, geduldig, vergebungsbereit. Das irritiert viele. „Warum bist du so anders?“, schreibt ein Nutzer, der zuvor gehetzt hatte. Umar erzählt von dem, den er als Quelle von Liebe und Vergebung kennt.
Zwischen all dem Lärm tauchen leise Stimmen auf. Private Nachrichten. Fragen. Zweifel. Menschen berichten von Träumen und Visionen – und von einem wachsenden Wunsch, mehr über Jesus zu erfahren.
„Heute Nacht kam Jesus in mein Herz“
„Ich folge deinen Posts“, schreibt eine Person. „Wer ist Jesus? Ich will mehr wissen.“
Zahra* wird noch deutlicher. Sie bittet direkt um eine Bibel:
„Heute Nacht kam Jesus tief in mein Herz“, schreibt sie. „Ich war erfüllt von Liebe und Freude. Ich musste weinen. Deine Verse machen mich glücklich. Kannst du mir mehr erklären?“
Umar schickt ihr eine App mit dem Neuen Testament in ihrer Sprache. Zahras Antwort ist klar und bewegend: „Ich fühle mich frei – als wäre es vorher dunkel gewesen und jetzt ist es hell. Ich habe Hoffnung und Freude. Es ist, als wäre ich neu geboren.“
Für Umar ist das ein besonderer Moment. Seit er vor 13 Jahren mit der Übersetzungsarbeit begonnen hat, ist Zahra die erste Person, die ihren neuen Glauben öffentlich bekennt. Solche Erfahrungen geben ihm Kraft, weiterzumachen.
Zwei bis drei Stunden täglich – trotz Gegenwind
Jeden Tag verbringt Umar zwei bis drei Stunden am Handy. Er schreibt, beantwortet Fragen, betet. Religiöse Autoritäten in seinem Heimatland schießen öffentlich gegen seinen Kanal und drohen mit einer Schließung. Doch Umar bleibt ruhig:
„Sie können die Seite schließen. Gott öffnet sie wieder.“
Quelle
Von Silke Sauer. Aus dem Englischen übersetzt mit freundlicher Genehmigung von SIL Global.Â