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nach Lukas 23, 32 - 43
Jerusalem, die stolze Stadt,
wie and’re auch, Probleme hat.
Ein Grund akuter Alarmierung
besteht im Zustand der Regierung.
Die Herrschaftsführung hat Gestalt
der dreigeteilten Staatsgewalt:
jedoch beweist sich dieses schon
sehr bald als eine Illusion;
Drei Obrigkeiten sind vertreten,
die Unterordnung sich erbeten.
Probleme, religionsbezogen,
erledigen die Theologen
wie Schriftgelehrte, Pharisäer,
Leviten, Priester, Sadduzäer.
Herodes, wohnhaft im Palast,
die römische Besatzung hasst.
Ganz offiziell ist er der König,
jedoch zu sagen hat er wenig.
Das Land ist nicht mehr autonom —
wird ferngesteuert jetzt von Rom.
Hier hat das Sagen ein Pilatus —
ein Mann mit Prokurator-Status.
Er ist verantwortlich für Rechtspruch,
doch leider auch für manchen Rechtsbruch.
Zuwiderhandlung und Verstoß,
egal ob nichtig oder groß,
entgegen einer der Instanzen,
ist folgenschwer im großen Ganzen.
Schnell können solcherlei Allüren
zu einem Todesurteil führen.
Um diesem Anspruch zu genügen,
die Römer ihrerseits verfügen
seit Jahren über ein Gebiet
auf einem Berg, dass jeder sieht,
wie die Justiz behandelt solche
Banditen, Einbrecher und Strolche.
Der Hügel ist der Stadt recht nah —
auf Griechisch heißt er „Golgatha“.
Man schaudert, wenn man ihn erblickt —
mit Kreuzen ist er oft gespickt.
Sehr häufig wird in jenen Tagen
ein Schurke dort ans Kreuz geschlagen,
dass er für seine Taten büße
mit großen Nägeln durch die Füße
und ebenfalls durch beide Hände —
auf dass er jämmerlich verende.
Gerade sieht man drei Gestalten,
die sich in Richtung Hügel halten,
bepackt mit Kreuzen groß und schwer.
In kurzem Abstand hinterher
marschieren römische Soldaten
mit Hammer, Nägeln, Seil und Spaten.
Sie gleichen einer Baukolonne;
die Helme blitzen in der Sonne.
Auch viele Gaffer steh’n dabei;
hier gibt’s ein Schauspiel — Eintritt frei!
Sie steh’n am Weg auf beiden Seiten,
die drei zum Gipfel zu geleiten.
Die werden, angekommen eben,
den Folterknechten übergeben.
Doch lediglich für zwei davon
ist es der selbstverdiente Lohn.
Sie leiden hier die Konsequenzen
für Übertretung jener Grenzen,
die, von der Obrigkeit diktiert,
durch die Gesetze sind markiert.
Inmitten dieser zwei wär‘ dann
erwähnenswert der „Mittelsmann“.
Sein Name, den ein jeder kennt,
ist Jesus, den man Christus nennt.
Man sagt, mit etwas Spott dabei,
dass er der Juden-König sei.
Es wird dem Mann zur Last gelegt,
er hätt‘ die Bürgerschaft erregt
mit äußerst radikalen Lehren,
das Volk der Juden zu bekehren
zu einer neuen Gottes-Sicht —
von Gott als seinem Vater spricht.Â
Dann gibt es auch noch weit’re Klagen,
wie Heilungen an Sabbat-Tagen;
Verhind’rung einer Steinigung,
sowie die Tempelreinigung.
Es wird an ihm auch schwer gerügt,
dass er sich nicht der Ordnung fügt,
von religiösen Extremisten
und ander’n Glaubensspezialisten;
dass er verärgert jedermann,
die Pharisäer vorne dran;
und schließlich seine Position
bezüglich ihrer Tradition.
Die Liste seiner Widrigkeiten
füllt in den Akten viele Seiten,
jedoch ist jeglicher Verstoß
entgegen Menschensatzung bloß.
Was letzten Endes zählt, ist nicht
der Menschen – sondern Gottes Sicht.
Es sei bemerkt, ganz nebenbei,
Symbolhaft stehen diese drei
für alle Menschen, groß und klein —
das schließt auch dich und mich mit ein.
Es steht der erste, Jesus Christ,
für den, der ohne Fehler ist.
Wer ehrlich ist, der merkt’s im Nu:
„Nein, da gehör‘ ich nicht dazu!“
Der, dem’s an Ehrlichkeit gebricht,
sich dadurch selbst das Urteil spricht.
So bleibt für jeden von uns wohl
nur ein Verbrecher als Symbol,
auch wenn vielleicht sich sagen ließe,
dass wir viel besser sind als diese.
Doch geht’s hier nicht um das „Vergehen“ —
viel mehr, wie wir zu diesem stehen.
Schon hat der eine der Genossen
mit seinem Leben abgeschlossen.
Nun gut, es war beileibe nicht,
was man vom Leben sich verspricht.
Ganz ehrenhaft, wer hätt’s gedacht,
steht er zu dem, was er gemacht.
Verfehlt hat er sein Lebensziel —
doch spürt von Reue man nicht viel,
und er zieht’s vor, mit Todesqualen,
für seine Taten selbst zu zahlen.
So hängt er nun, noch immer stolz,
genagelt ans gekreuzte Holz.
Der zweite Schurke sieht noch immer
von Hoffnung einen kleinen Schimmer.
Auch er steht ganz zu seinen Taten,
die er betrachtet als missraten.
Jedoch anstatt sie zu verschönen,
wünscht er, mit Gott sich zu versöhnen.
Er ahnt, dass nur ein Mittelsmann
in dieser Lage helfen kann
und glaubt, dass dieser Mann daneben,
die Macht besitzt, ihm zu vergeben.
Noch kurz bevor sein Leben endet,
der Sträfling sich an Jesus wendet. Â
Bestimmt hat dieser Mann vom Knast
sich nie mit Religion befasst,
und höchstwahrscheinlich weiß er nicht,
wie man „Kanaanäisch“ spricht.
Er ist, obschon rhetorisch prächtig,
der frommen Sprache noch nicht mächtig.
Er weiß nicht, was es heißt, „sein Leben,
an Jesus Christus übergeben“,
und wenn er’s wüsste, hätte er
es mit dem rechten Wortlaut schwer.
In seiner Not fängt dieser Mann,
ganz zaghaft nun zu reden an,
und er gibt Jesus zu verstehen,
er wolle gerne mit ihm gehen,
sobald er hier der Welt entrinnt
und dort sein neues Reich beginnt.
Er redet, wie’s ein Laie tut —
was soll’s — der Herr versteht ihn gut
und lädt sofort denselben ein,
mit ihm im Paradies zu sein.
Was zählt sind nicht pompöse Worte
der schwülstig, eindrucksvollen Sorte,
die Gott, den Vater, dazu bringen,
für uns sich etwas abzuringen.
Es ist auch nicht die Redekunst,
die garantiert uns Gottes Gunst.
Es gibt nur eins, auf das er schaut,
und zwar ein Herz das ihm vertraut.
Und wie auch immer ich es sage,
der Herr versteht’s — ganz ohne Frage.
Wenn ich mir’s richtig überlege,
steht eigentlich nichts mehr im Wege,
das Angebot zu akzeptieren
und meine Schuld zu deponieren
bei Jesus, der an meiner Statt
den Tod am Kreuz erlitten hat,
und der für mich, indem er starb,
den Weg zu Gott zurückerwarb.
Durch seinem Kampf, den er gewann,
ist er jetzt unser Mittelsmann.
Autor
Hans Elwert arbeitete viele Jahre mit seiner Familie für Wycliff Deutschland in Südamerika und später auf dem Wycliff-Zentrum. Jetzt ist er aktiver Rentner in Süddeutschland.