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Miguel* hatte keinen leichten Start ins Leben.
Er wuchs in einer Familie auf, die von Alkohol und Konflikten geprägt war. Sein Vater war abhängig, seine Mutter ließ ihre Wut oft an ihm aus. Als sich seine Eltern trennten, war Miguel noch ein Kind. Seine Mutter ließ ihn bei den Großeltern zurück – und verschwand aus seinem Leben. Er hörte nie wieder von ihr.
Was folgte, war kein einfacher Weg. „Mit sechs Jahren wurde ich bekennender Atheist“, erzählt Miguel rückblickend. Ohne Halt und ohne jemanden, an den er glauben konnte, begann er, sich gegen die Werte seiner Großeltern zu stellen. Schon früh geriet er selbst auf einen zerstörerischen Weg – Alkohol wurde Teil seines Lebens. Mit 32 Jahren war er abhängig. „Ich verlor meine Familie, meine Freunde, ihr Vertrauen, meine Arbeit. Ich verlor alles – weil ich angefangen hatte zu stehlen.“
Worte, die treffen
Doch Miguels Geschichte endet nicht dort.
In seiner Region in Bolivien war die Bibel in Chipaya – seiner Muttersprache – als Audioversion verfügbar. Eine Partnerorganisation von Wycliff hatte spezielle Abspielgeräte verteilt. Miguel wusste davon – aber es interessierte ihn nicht. Schließlich glaubte er nicht an Gott.
Und doch blieb er manchmal stehen. Auf seinen abendlichen Wegen durch die Stadt kam er regelmäßig an einer Kirche vorbei. Gelegentlich blieb er an der Tür stehen und hörte für einen Moment den Aufnahmen zu – eher zufällig als absichtlich. Dann ging er weiter.Monate vergingen so. Bis zu einem Abend, der alles veränderte.
Ein Wort für ihn
n diesem Abend hörte Miguel etwas, das ihn nicht mehr losließ.
„Ich habe Worte gehört, die so zutreffend waren, dass es schien, als ob sie direkt zu mir gesprochen wurden“, erzählt er.
Er suchte das Gespräch mit dem Pastor. Dieser zeigte ihm die Stelle, die an diesem Abend abgespielt worden war: 1. Johannes 3,8: „Denn dazu ist der Sohn Gottes erschienen, dass er die Werke des Teufels zerstöre.“
Diese Worte trafen Miguel tief. „Ich konnte nicht verstehen, wie Gott so direkt zu mir sprechen konnte“, erinnert er sich. „Und wie er mein Leben – so voller Probleme – verändern könnte.“ Immer wieder hörte er weiter zu. Und jedes Mal spürte er, dass etwas in ihm geschah. „Wenn dieses Gerät lief und das Wort Gottes erklang, fing mein ganzer Körper an zu zittern.“
Ein neuer Anfang
Eines Abends lud der Pastor ihn ein, sein Leben zu ändern und sich bewusst Gott zuzuwenden. Für Miguel war das ein Wendepunkt.
„Ich verstand damals nicht genau, was geschah“, sagt er. „Aber ich erinnere mich, dass ich auf dem Boden lag und wie ein Kind weinte, als ich Gottes Liebe in mein Leben ließ.“An diesem Tag begann der Mann, der sich selbst jahrelang als Atheist bezeichnet hatte, an Gott zu glauben.
Hoffnung weitergeben
Daraufhin veränderte sich Miguels Leben grundlegend. Und er behielt diese Erfahrung nicht für sich. Er ermutigte andere, genau hinzuhören: „Ich sagte den Menschen, dass sie diesem Gerät zuhören müssen. Gott spricht in unserer Sprache – und er spricht so klar, dass wir ihn verstehen können.“
Miguel hat erlebt, was möglich wird, wenn Menschen Gottes Wort in ihrer eigenen Sprache hören. Aus einem überzeugten Atheisten wurde ein Mensch, der Hoffnung gefunden hat – und sie weitergab.
*Name geändert.
Quelle
Aus dem Wycliff-Archiv